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ERICH UND ERNA KRONAUER-STIFTUNG

SCHWEINFURT

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Begrüßung durch Erich Kronauer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung   Druckansicht

Sehr verehrte Frau Oberbürgermeisterin,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Freunde,

zur Verleihung des Historiker-Preises unserer Stiftung im Jahre 2001 in der ehemals Freien Reichsstadt Schweinfurt möchte ich Sie alle, vor allem aber unseren diesjährigen Preisträger, Herrn Dr. Musial sowie Herrn Professor Jacobsen herzlich begrüßen.

Wir freuen uns außerordentlich, dass wir mit Ihnen, sehr verehrter, Herr Professor Jacobsen, einen international so renommierten Politikwissenschaftler und Zeithistoriker aus Bonn und Mitglied der “Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit” als Laudator gewinnen konnten.

Professor Jacobsen ist der erste deutsche Wissenschaftler, der aufgrund seines jahrzehntelangen Engagements für den Wiederaufbau und die Pflege der deutsch-polnischen Zusammenarbeit die Ehrendoktorwürde der Universität Warschau erhalten hat.

Ich meine, wir hätten keinen Kompetenteren als Laudator auf unseren diesjährigen Preisträger und als Experten auf so heiklem wissenschaftlichen Terrain gewinnen können.

Weiterhin begrüße ich Herrn Prof. Nolte und Gattin. Prof. Nolte zählt zweifellos zu den bedeutendsten deutschen Geschichtsdenkern unserer Zeit. Ihm war die letztjährige preisgekrönte Dissertation gewidmet.

Herrn Prof. Funke und Gattin, den Laudator der ersten Preisverleihung unserer Stiftung. Wir freuen uns ganz besonders, dass Sie inzwischen dem Kuratorium unserer Stiftung angehören.

Herrn Dr. Kronenberg mit Gattin, den ersten Preisträger im Jahr 2000.

Und schließlich begrüße ich die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte am Alexander v. Humboldt-Gymnasium in Schweinfurt mit ihrem Lehrer, Herrn Lib.

Danken möchte ich auch der lokalen Presse für ihr Kommen.

Die Verleihung des Preises unserer Stiftung an jüngere Historiker erfolgt im Prinzip alle zwei Jahre. In den Zwischenjahren werden Fördermittel an Studenten der Geschichtswissenschaft für hervorragende Arbeiten vergeben. Durch das Erscheinen des Buches von Bogdan Musial “’Konterrevolutionäre Elemente sind zu erschießen.’ Die Brutalisierung des deutsch-sowjetischen Krieges im Sommer 1941,” hatte sich aber eine neue Situation ergeben, und wir glaubten, aufgrund der Aktualität dieser Forschungsarbeit von unserem 2-Jahresrhythmus abweichen zu sollen. Deshalb gibt es also auch in diesem Jahr wieder einen Historiker-Preis. Darüber hinaus werden wir noch Dissertationen an den Universitäten in Bonn und Chemnitz fördern.

Unsere Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, neben allgemeinen Fördermaßnahmen auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft vor allem herausragende Forschungen, die das innere und äußere Verhältnis der beiden großen Totalitarismen des 20. Jahrhunderts zum Gegenstand haben zu fördern und mit dem von uns gestifteten Historiker-Preis auszuzeichnen. Im vergangenen Jahr wurde anhand von Ernst Noltes Lebenswerk das innere Verhältnis der beiden totalitären Staaten Deutschland und Sowjetrussland durch Herrn Dr. Kronenberg thematisiert.

Bei der heutigen Preisverleihung an Herrn Dr. Musial für seine Forschungsarbeiten in Ostpolen der Jahre 1939-41 steht nunmehr das äußere Verhältnis zwischen der nationalsozialistischen und der sowjetischen Diktatur im Vordergrund. Herr Musial untersucht in seiner Studie die sowjetische Besatzungsploitik in Ostpolen, das infolge des Hitler-Stalin-Paktes von der Roten Armee 1939 besetzt worden war. Es handelte sich um ein Terrorregime, das sich vor allem gegen Polen, Litauer und Weißrussen richtete und beim Abzug der Sowjets zu Massendeportationen und Massenhinrichtungen führte. Hier nahm - so Musial - die Brutalisierung des deutsch-sowjetischen Krieges ihren Anfang.
In einer Rezension der Friedrich-Ebert-Stiftung vom November 2000 heißt es dazu: “Musial legt hier umfassende Forschungen zu den Ereignissen in Ostpolen vor, die von Beginn der sowjetischen Besetzung Ende 1939 bis zu deren Ablösung durch die deutschen Eroberer im Sommer 1941 reichen. Während die Zeit der deutschen Okkupation seit längerem relativ gut erforscht ist, weil sich damit ein zentrales politisches Interesse der kommunistischen “Volksrepublik” verband, blieb der stalinistische Terror 1939-41 weitgehend eine terra incognita,” Zitat Ende.

Es ist das große Verdienst von Herrn Dr. Musial, dass er dieses bisher vernachlässigte Thema in seiner Studie untersucht und zur Diskussion gestellt hat. Die bis zu diesem Zeitpunkt vorliegenden, doch eher monokausalen Unter- suchungen wurden damit um einen wichtigen Aspekt bereichert.

Während Musials Buch hauptsächlich in der Fachwelt Gegenstand von Zustimmung oder Kritik war, ist er durch einen Nebenaspekt seiner Forschungsarbeit auch einem breiteren Publikum in und außerhalb Deutschlands bekannt gewor- den. Zu seiner Überraschung musste er feststellen, dass er dadurch ungewollt in die Mühlen der deutschen Vergangenheitsbewältigung geriet.

Es waren nämlich Bogdan Musial und der ungarische Historiker Christian Ungvary, die in den renommierten Fachorganen der Historikerzunft, “Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte” und “Geschichte in Wissenschaft und Unterricht” nachgewiesen haben, dass, wie auch die Neue Züricher Zeitung am 3. Januar 2001 schrieb “zahlreiche in der sog. Wehrmachtsausstellung als Beleg für angebliche Verbrechen der deutschen Armee enthaltenen Fotos in Wirklichkeit Opfer des sowjetischen NKWD zeigten”, Zitat Ende. Die Ausstellung wurde daraufhin bekanntlich geschlossen und das gesamte Konzept musste einer Überarbeitung unterzogen werden.

Die Forschungsarbeit Musials über die Zeit der Besetzung Ostpolens fand wie gesagt ihren Niederschlag in seinem im August 2000 im Propyläen-Verlag veröffentlichten Buch “Konterrevolutionäre Elemente sind zu erschießen.” Der vom Verfasser gewählte Titel erinnert an eine entsprechende Order Lenins zu Beginn der zwanziger Jahre gleichen Wortlauts. Da die Studie einen wichtigen Beitrag zur zeitgeschichtlichen Forschung darstellt, haben Vorstand und Kuratorium der ERICH UND ERNA KRONAUER-STIFTUNG in ihrer Sitzung vom 17. März ds. Jahres beschlossen, Herrn Dr. Bogdan Musial den Historiker-Preis 2001 zuzuerkennen.

Im Namen der Stiftung möchte ich Ihnen, Herr Dr. Musial, für Ihre herausragende wissenschaftliche Arbeit danken und Ihnen nunmehr den Preis unserer Stiftung überreichen.
Die Verleihungsurkunde hat folgenden Wortlaut: