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ERICH UND ERNA KRONAUER-STIFTUNG

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Begrüßung durch Erich Kronauer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung   Druckansicht

Rede anlässlich der Preisverleihung am 20. Mai 2006 im historischen Rathaus der Stadt Schweinfurt.

Erich Kronauer, StiftungsvorsitzenderSehr verehrte Frau Oberbürgermeisterin,
meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde,

unsere Stiftung verleiht in diesem Jahr zum vierten Mal den Historiker-Preis für jüngere Historiker. Zu diesem Anlass darf ich Sie herzlich begrüßen und möchte Ihnen für Ihr Kommen und Ihr Interesse danken.

Unser diesjähriger Preisträger ist Privatdozent Dr. Hans-Christof Kraus von der Ludwig-Maximilians Universität München. Für seine 1994 in zwei Bänden publizierte Dissertation über Ernst Ludwig von Gerlach, den bekanntesten Vordenker des preußischen „Altkonservativismus“, hat er bereits den angesehenen Preis der Göttinger Akademie der Wissenschaften erhalten.

Ich freue mich sehr, meine Damen und Herren, Ihnen als Laudator den international angesehenen Historiker und Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, Herrn Professor Horst Möller nennen zu können.

Ich darf Sie beide, Herr Professor Möller und Herr Dr. Kraus, in Schweinfurt herzlich willkommen heißen.

Ich begrüße die Mitglieder des Kuratoriums unserer Stiftung mit Ihren Damen. Des weiteren ist es mir eine große Freude, alle bisherigen Preisträger unserer Stiftung, die Herren Privatdozenten und Professoren Volker Kronenberg, Bogdan Musial und Friedrich Pohlmann hier begrüßen zu können.

Last but not least möchte ich auch der Presse für Ihr Kommen danken.

Unser heutiger Preisträger, Herr Dr. Kraus, ist ein gelehrter Kenner nicht nur des preußischen Altkonservativismus des 19. Jahrhunderts, sondern auch der konservativen Strömungen in Frankreich und England. Dies zeigt auch seine demnächst erscheinende Habilitationsschrift über „Englische Verfassung und politisches Denken im Ancien Régime“ (1689-1789). Darüber hinaus kennt er sich aber auch im Bereich der Zeitgeschichte sehr gut aus.

Lesenswert ist etwa seine ausführliche Darstellung und Analyse des Briefwechsels zwischen Thomas Mann und der Miteigentümerin der „Washington Post“, Agnes E. Meyer während der Kriegszeit, erschienen in der „Historischen Zeitschrift“ von 1995. Von modischen oder gar sensationellen Themen hat sich Herr Dr. Kraus immer ferngehalten. Seine Arbeiten setzen den Leser instand, sich auch über aktuelle und umstrittene Probleme, wie etwa das angebliche „Vorläufertum“ Bismarcks zu Hitler, ein gut begründetes Urteil zu bilden.

Herr Dr. Kraus hat im übrigen auch zu dem Staats- und Gesellschaftstheoretiker Adam Müller und einem der bedeutendsten Dichter und Publizisten der Freiheitskriege, Joseph Görres, sowie dem Staatsrechtslehrer Carl Schmitt, aufschlussreiche Arbeiten veröffentlicht.

Er schreibt auch regelmäßig für eine Reihe wissenschaftlicher Zeitschriften, und durch seine Rezensionen in der FAZ ist er darüber hinaus auch einem breiteren Publikum bekannt geworden.

Herr Professor Nolte schrieb mir im Zusammenhang mit der anstehenden Wahl des diesjährigen Preisträgers: „Insgesamt vermittelt das Werk von Herrn Dr. Kraus das bewundernswerte Bild eines Gelehrtenlebens, das die Aufmerksamkeit für entfernte historische Figuren und Details mit tiefdringenden und geistreichen Erörterungen aktueller Fragen der Gegenwart verbindet.“

Vorstand und Kuratorium sahen sich somit in ihrer Entscheidung für unseren heutigen Preisträger bestätigt.

Die Erweiterung der Satzung unserer Stiftung vor zwei Jahren auf die Erforschung der geistigen und weltanschaulichen Strömungen des 19. Jahrhunderts mit ihren ideologischen Heilsgewissheiten, hat es möglich gemacht, Fragestellungen wie diejenigen von Herrn Dr. Kraus in den Bereich unserer Interessen einzubeziehen. Damit können auch die beiden großen totalitären Regime, der Kommunismus und der Nationalsozialismus, aus ihren Wurzeln im 19. Jahrhundert verstehbarer gemacht werden.

Es handelt sich also um eine Erweiterung, nicht aber um eine Änderung der Zielsetzung unserer Stiftung, die ja bisher direkte Thematisierungen zu diesen beiden Phänomenen des 20. Jahrhunderts, mit ihren Preisen ausgezeichnet hat.

Unsere Stiftung will ja nicht unbedingt den ausgetretenen Pfaden des sog. mainstream folgen, Sie möchte vielmehr jüngere Historiker dazu ermutigen, im Sinne des großen deutschen Historikers Leopold von Ranke „zu suchen und zu beschreiben wie es eigentlich gewesen ist“, und ich füge hinzu, frei von Voreingenommenheit und ideologischer Fixierung. Diese Vorgehensweise setzt geistige Unabhängigkeit und nicht zuletzt auch eine Portion Mut voraus. Aber ich meine, dass sie den Schweiß der Edlen wert ist.

Der Stiftung ist es daher eine große Freude und Ehre, in Herrn Dr. Kraus einen Preisträger auszeichnen zu können, der den obengenannten Vorstellungen in idealer Weise entspricht. Sein heutiger Vortrag über Geschichte und Gegenwart und seine Anmerkungen zu Problembereichen der Zeitgeschichte, werden dies sicherlich bestätigen.

Und nun darf ich Sie, sehr verehrte Frau Oberbürgermeisterin, die Sie das Anliegen unserer Stiftung von Anfang an in so wohlwollender Weise begleitet haben, bitten, das Wort zu ergreifen.