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ERICH UND ERNA KRONAUER-STIFTUNG

SCHWEINFURT

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Tischrede Wilhelm Böhm Oberstudiendirektor a.D. Schweinfurt  Druckansicht

Meine sehr verehrten Damen, meine Herren, liebe Gäste,

gestatten Sie mir bitte, im Namen der in Schweinfurt ansässigen Mitglieder des Kuratoriums einige Worte an Sie zu richten, Ihnen zu danken, dass Sie in unsere Stadt gekommen sind, meiner Freude Ausdruck zu verleihen, über diesen Tag, der einen weiteren Glanzpunkt in der Geschichte der Erich und Erna Kronauer-Stiftung darstellt.

Freude auch über den würdigen Preisträger und seinen Laudator, über die ehemaligen Preisträger und alle illustren Gäste mit holdem Damenflor. Als ihren Doyen nenne ich Herrn Professor Dr. Nolte, über dessen Leben und Werk unsichtbar geschrieben steht:

Nec laudibus nec timore.

Schweinfurt war Jahrhunderte lang eine Freie Stadt des Reiches, nicht von Fürsten regiert, sondern von freien Bürgern selbständig verwaltet, und es will uns manchmal scheinen, dass heute noch etwas von diesem freieren Geist spürbar ist…

Bezeichnend, Herr Dr. Kraus, dass die 1848er Revolution in der Schweinfurter Bürgerschaft eine ungemein starkes Echo weckte – erst der Einmarsch bayerischer Truppen beendete den revolutionären Zustand.

Freilich akzeptierten die Schweinfurter Bürger später die Bismarcksche Lösung der deutschen Frage und wurden treue Anhänger des neuen Reiches unter Preußens Führung.

Dies entsprach ja den Ansichten des berühmtesten Sohnes der Stadt, des Dichters und Orientalisten Friedrich Rückert, der die Erneuerung Deutschlands von Preußen erhoffte, nicht von Habsburg. Dies zeigen bereits die „Geharnischten Sonette“, die der junge Rückert 1814 während der Befreiungskriege gegen Napoleon niederschrieb.

Als gebürtiger Schweinfurter bin ich mit Rückertversen aufgewachsen; das „Geharnischte Sonett“ III lernte ich in der Schule. Da war freilich etwas, was ich damals nicht verstand.

Verständlich für die Situation eines unterworfenen Volkes die ersten Verse:

„Was schmiedst du, Schmied? Wir schmieden Ketten, Ketten.

Ach, in die Ketten seid ihr selbst geschlagen.

Was pflügst du, Bauer? Das Feld soll Früchte tragen.

Ja, für den Feind die Saat, für dich die Kletten“… .

Rätselhaft war für mich der Abschluss:

„Was schreibest, Dichter, du? Mit Glutbuchstaben

Einschreib ich meine und meines Volkes Schande,

Das seine Freiheit nicht darf denken wollen.“

Dem geschlagenen Volke wird der Wille, seine Freiheit „zu denken“, verboten? Kann man freies Denken verbieten, verhindern, kann man Menschen ins Gehirn greifen, ihr Wollen umprägen, dass sie ihre Freiheit und Ehre nicht mehr denken können und wollen, zu ihrer „Schande“? –

Dies waren Fragen eine lesenden Knaben. – Unterdessen wurde man eines Besseren belehrt. Auch in Demokratien kann man Systeme der Standardisierung der Gehirne, der Sprachregelungen und Normen errichten, die in wesentliche Bereiche des Lebens regulierend eingreifen. Gerade auch in dem Bereich geschichtlicher Forschung und Lehre will man häufig Urteile und Meinungen vorschreiben, von denen abzuweichen gefährlich und schädlich ist.

Freilich sehen wir heute wieder überall ermutigende Ansätze zu freierem Denken. Bezeichnend für den Geist unserer ehemaligen Reichsstadt will mir erscheinen, dass hier Menschen aus einem anderen Berufsfeld, unabhängige Privatleute, diese Stiftung für jüngere Historiker errichteten. Die Erich und Erna Kronauer-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Wissenschaftler zu ermutigen und zu fördern, die freie Forschung und Lehre wagen.

Dem Stifterehepaar gilt deshalb mein besonderer Gruß und Dank, auch für die Bereitung dieses Gastmahls, - „Liebesmahls“ -, das wir genießen.

Liebe Erna, lieber Erich, auch der heutige Tag zeigt, dass ihr eurem Ziel näher gekommen seid, - und „ungeschrecket dringen wir vorwärts“.

Ich ergreife mein Glas und wünsche Stiftung, Stiftern und allen, die Ihnen kritisch-fördernd verbunden sind, das Beste. Ihnen, meine verehrten Damen, meine Herren, gilt mein

Vivat, crescat, floreat.