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ERICH UND ERNA KRONAUER-STIFTUNG

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Begrüßung durch Erich Kronauer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung   Druckansicht

Rede anlässlich der Preisverleihung am 8. November 2008 im historischen Rathaus der Stadt Schweinfurt.

Erich Kronauer, StiftunsvorsitzenderSehr verehrte Frau Oberbürgermeisterin,
liebe Freunde,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass ich Sie heute wieder zur Verleihung des fünften Historiker-Preises unserer Stiftung begrüßen darf und danke Ihnen, dass Sie dieser Veranstaltung durch Ihre Anwesenheit einen festlichen Rahmen verleihen.

Es ist jetzt fast 10 Jahre her, dass meine Frau und ich Überlegungen anstellten, ob es nicht sinnvoll sei, zur Förderung jüngerer Historiker eine Stiftung ins Leben zu rufen. Herr Professor Nolte, dessen Bücher uns seit vielen Jahren wegweisend begleitet hatten und den wir darufhin ansprachen, bestärkte uns in unserer Absicht.

Er überzeugte uns gleichzeitig davon, dass eine solche Stiftung, neben der Vergabe von Fördergeldern auch durch eine Preisverleihung öffentlich wirken sollte. Wenige Monate später, Ende 1999, erfolgte dann die Errichtung unserer Stiftung.

Wir haben es stets als eine große Ehre und als Auszeichnung empfunden, dass einer der bedeutenden Geschichtsdenker und wohl beste Kenner der Ideologiegeschichte unserer Zeit, Ernst Nolte, sich mit unserem Vorhaben identifiziert hat und damit gleichsam Teil unserer Stiftung wurde. Er hat uns durch seinen klugen Rat und sein Wohlwollen all die Jahre freundschaftlich zur Seite gestanden. Dafür möchten wir Ihnen heute, sehr verehrter Herr Professor Nolte, besonders herzlich danken.

Unser Preisträger für das Jahr 2008 ist Privatdozent Dr. Donal O´Sullivan, den ich herzlich willkommen heißen möchte und dem ich hier an dieser Stelle nochmals zu seiner Auszeichnung im Namen der Stiftung gratulieren darf. Dr. O´Sullivan ist Deutsch-Ire, in Köln geboren und aufgewachsen, hat in Bonn promoviert, und kommt heute zu uns aus Los Angeles, wo er als Historiker an der California State University, Northridge, unterrichtet.

Des weiteren ist es mir eine besondere Freude, als Laudator auf den Preisträger, den renommierten Publizisten, Politikwissenschaftler und Historiker, Professor Arnulf Baring hier in Schweinfurt, begrüßen zu können.

Ich begrüße die Mitglieder von Vorstand und Kuratorium unserer Stiftung und ihre Damen. Ich nehme gerne die Gelegenheit wahr, mich heute bei Ihnen sehr herzlich für Ihre engagierte Mitarbeit und Ihre wertvolle Unterstützung, zu bedanken.

Ich freue mich ganz besonders, einige Preisträger der vergangenen Jahre, die Herren Privatdozenten Dr. Volker Kronenberg, Dr. Bogdan Musial und Dr. Friedrich Pohlmann begrüßen zu können.

Besonders danken möchte ich auch der Presse für ihr Kommen.

Unser diesjähriger Preisträger, Dr. O´Sullivan, entspricht mit seiner Forschungsarbeit in idealer Weise der Zielsetzung unserer Stiftung. Die Stiftung will ja vor allem Arbeiten und Erkenntnisse im Zusammenhang mit den beiden großen Totalitarismen des 20. Jahrhunderts, dem Jahrhundert der Ideologien, fördern. Das Buch "Stalins Cordon Sanitaire", für das wir den Historiker O´Sullivan heute auszeichnen wollen, bildete auch gleichzeitig die Basis seiner Habilitation an der Universität Eichstätt. Es schildert in anschaulicher Weise, auf der Grundlage von bis vor kurzem noch unzugänglichen, überwiegend sowjetischen Quellen, die Politik Stalins zwischen 1939 und 1949 in immerhin 11 Staaten Osteuropas und die westliche Reaktion darauf.

Die Kernpunkte dieser Stalinschen Politik, neben dem revolutionären, gleichwohl imperialistischen Ausgreifen nach Westeuropa, waren: die Landreform, die Bildung von sogenannten antifaschistisch-demokratischen Kräften - deren Nachhall wir noch heute in Deutschland vernehmen können - sowie die "Ausrottung der Wurzeln des Faschismus", wobei die Sowjetideologie unter dieser Metapher schlechthin die Vernichtung des Kapitalismus verstand. Im Zentrum stand nicht zuletzt auch die Bildung eines "umgekehrten cordon sanitaire" wie es O´Sullivan nennt, eines Glacis, das die UdSSR vor den kapitalistischen Mächten und vor deren negativen Einflüssen auf die sowjetische Bevölkerung schützen sollte. Außerdem befürchtete man, dass damit auch gleichzeitig eine Gefährdung der stalinistischen Herrschaft verbunden sein könnte.

Die FAZ schrieb dazu: O´Sullivan komme zu dem Schluß, Stalins Politik sei die eines "Wolfes unter Wölfen" gewesen und ganz und gar nicht defensiv.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf das im Frühjahr erschienene Buch unseres Preisträgers des Jahres 2003, Dr. Bogdan Musial, mit dem Titel "Kampfplatz Deutschland", hinweisen. Gestützt auf eine große Zahl bisher unbekannter Originaldokumente aus den Beständen der geheimen Protokolle des sowjetischen Politbüros, des Zentralkomitees und des Verteidigungsministeriums, wird hier der wissenschaftliche Nachweis geführt, dass Stalin bereits ab 1929 systematisch aufrüstete, um zu gegebener Zeit Europa bzw. Deutschland, als dessen Kernland, anzugreifen.

Im Zusammenhang mit so manchen Tabus, die durch die Forschungsarbeiten der beiden Autoren O´Sullivan und Musial wohl auf dem Müll der Geschichte landen werden, scheint es mir angezeigt, noch einige Sätze aus einem Manifest "Freiheit für die Geschichte" zu zitieren. Darin haben 19 führende französische Historiker grundsätzliche Forderungen erhoben, die am 13. Dezember 2005 in der Zeitschrift "Libération" veröffentlicht wurden und die, so denke ich, auch für uns in Deutschland zum Nachdenken anregen könnten.

"Die Geschichte ist keine Religion. Der Historiker akzeptiert kein Dogma, kennt keine Tabus. Die Geschichte ist nicht die Moral. In einem freien Staat ist es weder die Sache des Parlaments noch der Justiz, geschichtliche Wahrheit zu definieren. Es ist auch nicht die Rolle des Historikers zu preisen oder zu verdammen, er erklärt die Geschichte" -- oder, um es mit den Worten von Ernst Nolte auszudrücken, er macht sie verstehbar.

Zu ergänzen wäre noch, dass dieses Manifest inzwischen weitere 600 Wissenschaftler und Pädagogen weltweit unterzeichnet haben. Das Ganze hat - höchst aktuell - gerade dieser Tage in den "Apel de Blois", einer Protestresolution internationaler Wissenschaftler gemündet, an der sich nun auch der ehemalige frz. Kulturminister Jack Lang und so prominente Historiker wie Tomothy Ash, Eric Hobsbawn, Aleida u. Jan Assmann sowie Heinrich August Winkler beteiligt haben.

Un damit wären wir wieder bei Leopold von Ranke angelangt, dessen Credo "zu suchen und zu beschreiben wie es eigentlich gewesen ist" sich auch unsere Stiftung verpflichtet fühlt.

Nun zurück zu unserem Preisträger:

Der ERICH UND KRONAUER-STIFTUNG ist es eine besondere Freude, in Herrn Dr. O´Sullivan heute einen jungen Historiker auszeichnen zu können, der den oben genannten Kriterien auf erfreuliche Weise entspricht. In seiner Dankrede zur Zeitgeschichte, in der er sich wieder mit dem Komplex Sowjetrußland/Rußland befasst, werden wir diese geistige Grundhaltung wiedererkennen.

Ich danke Ihnen.