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ERICH UND ERNA KRONAUER-STIFTUNG

SCHWEINFURT

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Begrüßung durch Erich Kronauer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung   Druckansicht

Rede anlässlich der Verleihung des 6. Historikerpreises der ERICH und ERNA KRONAUER-STIFTUNG am 17. April 2010 im historischen Rathaus der Stadt Schweinfurt.

Erich Kronauer, StiftungsvorsitzenderSehr verehrte Frau Oberbürgermeisterin,
liebe Freunde,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich darf Sie herzlich begrüßen und Ihnen für Ihr Kommen danken, besonders auch jenen, die eine weite Anreise vom Norden, Westen und Süden unseres Landes auf sich genommen haben, zu Ehren unseres Preisträgers.

Seit der Gründung unserer Stiftung in den letzten Tagen des vergangenen Jahrhunderts werden wir heute bereits zum sechsten Mal den Historiker-Preis vergeben können. Neben der Vergabe dieses Preises fördern wir auch weiterhin Forschungsarbeiten von jungen Historikern zur neuesten Geschichte, sowie Dissertationsarbeiten. Vielleicht ist es nicht uninteressant in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass unsere Homepage bisher rund 215.000 mal besucht wurde.

Unser diesjähriger Preisträger ist Dr. Jörg Friedrich für sein inzwischen weltweit, von einem Millionen-Publikum gelesenes, berühmtes Buch, "Der Brand", "Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945." Es ist im renommierten Propyläen-Verlag erschienen, dessen Verlagsleiter, Herrn Seeger, ich heute ebenfalls als Gast begrüßen darf.

Das Buch, in dem der Autor eindringlich und sprachmächtig eine Schilderung der Bombardierung deutscher Städte und Ortschaften im Zweiten Weltkrieg schildert, mit allen damit zusammenhängenden technischen und strategischen Überlegungen der Kriegsparteien, greift damit auch eines der Tabus der deutschen Nachkriegsgeschichte auf. Unsere eigene schuldhafte Verstrickung im Zweiten Weltkrieg, wird dabei durchaus nicht ausgeblendet.

Es freut mich, meine Damen und Herren, Ihnen als Laudator den bekannten Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Herrn Dr. Lorenz Jäger, nennen zu können.

Ich darf Sie beide, Herr Dr. Friedrich und Herr Dr. Jäger sowie Ihre Damen, in Schweinfurt herzlich willkommen heißen. Des weiteren begrüße ich den Ehrenbürger der Stadt Schweinfurt, Herrn Otto Schäfer mit Gattin sowie einige unserer früheren Preisträger, die Herren Privatdozenten Dr. Bogdan Musial, Dr. Friedrich Pohlmann und Professor Hans-Christof Kraus. Ich begrüße die Herren der Presse und nicht zuletzt auch 17 Kollegiatinnen und Kollegiaten des Leistungskurses Geschichte am Alexander von Humboldt-Gymnasium mit Ihrem Kursleiter.

Meinen Freunden in Vorstand, Kuratorium und Verwaltung danke ich herzlich für ihre stete Bereitschaft, mich bei der Auswahl des für den Preis würdigsten Aspiranten durch die Lektüre des doch umfangreichen Stoffs und Ihren Rat zu unterstützen.
Unsere Stiftung sieht es weiterhin als ihre Aufgabe an, solche Forschungsaufgaben zu fördern, die aufgrund neu verfügbaren Archivmaterials neue Erkenntnisse versprechen. Dabei wird ausschließlich der wissenschaftliche Gehalt, frei von ideologisch-politischen Vorurteilen unsere Entscheidung bestimmen. Wir wissen, dass wir uns dabei häufig zwischen Scylla und Charybdis, im Hinblick auf den sog. mainstream, bewegen.

Unser heutiger Preisträger, Dr. Jörg Friedrich, hat neben seinem inzwischen berühmten Buch weitere militärhistorische und politische Bücher geschrieben. Wir haben sein Buch "Der Brand", das durch einen hervorragenden Bildband mit dem Titel "Brandstätten" ergänzt wird, auch deshalb ausgewählt, weil es paradigmatisch zeigt, wie der moderne Krieg immer stärker die Zivilbevölkerung in das Kriegsgeschehen bewusst mit einbezieht.

Diese Entwicklung hat mit der französischen Revolution, die auch das Ende der sog. Kabinettskriege bedeutete, eingesetzt und hat dann in den beiden großen, menschenverschlingenden Kriegen des 20. Jahrhunderts ihren traurigen Höhepunkt erreicht. Leider muß man aber feststellen, dass trotz der danach international viel beschworenen Grundsätze, das Führen von Kriegen, auch der sog. gerechten Kriege, auszuschließen, diese doch eine Fortsetzung in großer Zahl gefunden haben.

Das Buch "Der Brand" ist zweifellos ein Meisterwerk in Sprache und Präzision der historischen Darstellung. Aus dem Klappentext des Buches möchte ich einige wenige Sätze zitieren, weil sie in großer Dichte die Quintessenz des Buches wiedergeben:

"Das fünf Jahre währende Bombardement deutscher Städte und Gemeinden im Zweiten Weltkrieg ist ohne Vergleich in der Geschichte. Neben der Flucht und Vertreibung aus den Ostgebieten des Reiches war es die größte Katastrophe auf deutschen Boden seit dem Dreißigjährigen Krieg. Bombardiert wurden mehr als tausend Städte und Ortschaften. Auf 30 Millionen Zivilpersonen, überwiegend Frauen, Kinder und Alte, fielen nahezu eine Million Tonnen Spreng- und Brandbomben. Mehr als eine halbe Million Todesopfer und unwiederbringliche Verluste der seit dem Mittelalter gewachsenen deutschen Städtelandschaften waren zu beklagen." - Zitat Ende.

Der Historiker und Publizist Joachim Fest, viele Jahre Leiter des Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, bezeichnete Friedrichs Werk " als ein erschütterndes, sehr verdienstvolles Buch, und meint, dass sich Friedrich dieses Themas angenommen habe, sei ein großer Fortschritt und zeige einmal mehr, welch unbegreifliche Lücken in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung bestünden."

Wenn von diesem Bombenkrieg gesprochen wird, dann stößt man immer wieder auf das unbegreifliche Argument, das einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Auslöser des Krieges und der angeblich dadurch gerechtfertigten Bombardierung der Zivilbevölkerung glaubt herstellen zu dürfen. Dies ist eine, so meine ich, schlechterdings unmenschliche Argumentation.

Auch in unserer Stadt Schweinfurt sind die schweren Bombenangriffe noch im kollektiven Gedächtnis lebendig. Im Gegensatz zu dem allg. Bombardement deutscher Städte standen hier indessen kriegswichtige und kriegsentscheidende Produkte und Industrieanlagen im Vordergrund. Die Verluste auf Seiten der Bevölkerung - die heutzutage als Kollateralschäden bezeichnet zu werden pflegen - betrugen etwa 1100 getötete Zivilpersonen, darunter 118 Kinder.

Unserer Stiftung ist es eine große Freude und Ehre, in Herrn Dr. Jörg Friedrich einen Preisträger auszeichnen zu dürfen, der eine so umfassende zeitgeschichtliche Darstellung des damaligen Geschehens auf breiter Quellenbasis vorgelegt und damit auch Zugang zu breiten Bevölkerungsschichten gefunden hat. Sein Buch wurde inzwischen in 14 Sprachen übersetzt und hat damit auch international ein großes Echo gefunden. Es wurde im Ausland auch mehrfach ausgezeichnet.

Und nun darf ich das Wort an unsere Oberbürgermeisterin, Frau Gudrun Grieser, übergeben. Frau Grieser hat unsere Stiftung von der ersten Preisverleihung im Jahre 2001 an stets in sehr konstruktiver und wohlwollender Weise, mit kenntnisreichen Kommentaren, begleitet. Nach 18 Jahren erfolgreicher Tätigkeit für die Stadt Schweinfurt zieht sie sich nunmehr ins Privatleben zurück. Im Namen unserer Stiftung möchte ich mich heute, liebe Frau Grieser, bei Ihnen nochmals für Ihre wertvolle Unterstützung sehr herzlich bedanken.

Schweinfurt, 17. April 2010
Erich Kronauer
Vorstandsvorsitzender