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ERICH UND ERNA KRONAUER-STIFTUNG

SCHWEINFURT

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Stiftungsjubiläum
2011            

Begrüßung

Rede Tischrede Fotos        
 
 

Rede von Professor em. Dr. Ernst Nolte, Berlin


Verehrtes liebes Geburtstagspaar, sehr verehrte Frau Grieser, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Remelé, liebe Mitglieder des Kuratoriums der Erich und Erna Kronauer-Stiftung, meine Damen und Herren,

Prof. em. Dr. Ernst NolteFrau und Herr Kronauer haben in ihrem jeweils achtzigjährigen Leben und in den mehr als fünf Jahrzehnten ihrer Ehe nicht wenige erinnerungswürdige Ereignisse zu verzeichnen, und einiges davon ist am heutigen Tage schon erwähnt worden. Meine Aufgabe besteht darin, von der Entstehung und der Geschichte der „Erich und Erna Kronauer-Stiftung“ zu erzählen, sei es auch nur im knappsten Umriß.

Nichts hat so tief in das Leben von nahezu allen Angehörigen der heute über achtzigjährigen Deutschen und vieler anderer Menschen eingegriffen wie die Periode des Zweiten Weltkrieges und des nationalsozialistischen Regimes. Die stärkste Herausforderung, vor welche die Nachdenklichen unter ihnen sich gestellt sahen, war die Erklärung und die Deutung dieses Phänomens, und das konnte offensichtlich nicht als ein bloß deutsches verstanden werden. Der erste großangelegte Versuch einer adäquaten „Bewältigung“ war die sogenannte Totalitarismustheorie, die vor allem den gemeinsamen Gegensatz der beiden Bewegungen und Regime des Kommunismus und des Nationalsozialismus gegenüber der „westlichen Demokratie“ herausstellte und in Hannah Arendt sowie Carl Joachim Friedrich ihre bekanntesten Begründer hatte. Von der Atmosphäre dieser Theorie, die ja zugleich auch die Erfahrung der Feindschaft zwischen dem einst von der Sowjetunion eroberten bzw. besetzten Teil Deutschlands, der kommunistischen DDR, und der „freiheitlichen Demokratie“ der Bundesrepublik Deutschland in sich schloß, sind sowohl Herr Kronauer wie ich in unseren Anfängen bestimmt gewesen.

Herr Kronauer konnte nach 1945 auf eine betontermaßen nationale Erziehung zurückblicken, und der Gegensatz zwischen den einfachen Linien dieser keineswegs bloß nationalsozialistischen Auffassung und den bestürzenden Erfahrungen und Berichten, die sich vornehmlich auf den „Holocaust“ der Juden in der zweiten Hälfte der Kriegszeit bezogen, wurde ihm ohne Zweifel schmerzlich bewußt. Er störte ihn jedoch nicht bei der entschlossenen Suche nach einer beruflichen Position, die ihn schon im Alter von 37 Jahren zum Vorstandsmitglied der Weltfirma „Fichtel & Sachs in Schweinfurt machte. Ich hatte als der acht Jahre Ältere von einem anderen Ausgangspunkt aus al Kandidat für das Lehramt mit der Geschichte des Nationalsozialismus beinahe Professionell, aber doch nur dilettantisch zu tun. In den Jahren von 1959 bis 1963 schrieb ich als Studienrat für Deutsch und Griechisch neben meiner Berufstätigkeit das Buch „Der Faschismus in seiner Epoche. Die Action francaise – der italienische Faschismus – der Nationalsozialismus“, das viel stärker, als es in der „strukturellen“ Totalitarismustheorie der Fall war, den historischen Gegensatz zwischen den beiden ideologischen Hauptmächten eines „europäischen Bürgerkriegs“ herausarbeitete. Es machte mich weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt und hatte die Berufung auf einen Lehrstuhl für Neuer Geschichte in Marburg zur Folge. Dort und wenig später in Berlin wurde ich tief in die Turbulenzen der sogenannten Studentenbewegung einbezogen, und es wurde mir bald evident, daß die „rebellischen Studenten“ von der Sehnsucht nach en einfachen Linien der Geschichtsdeutung erfüllt waren, die ja lange vor dem Nationalsozialismus auf ganz andersartige Weise vom Marxismus entwickelt worden waren.

Obwohl das Wiederaufgreifen des Begriffs „Faschismus“ von diesen Studenten sehr positiv aufgenommen wurde, wurde es mehr und mehr augenfällig, daß sie einer Konzeption feindlich gesinnt sein mußten, die den Faschismus vornehmlich als Re-aktion auf den Marxismus und den seit 1917/18 Russland totalitär beherrschende Bolschewismus verstand, welcher nicht nur den Adel und „die Bourgeoisie“, sondern auch das Kleinbürgertum und die wohlhabenden Bauern, die „Kulaken“ vernichtet hatte, zwar nur „sozial“, jedoch gutenteils auch physisch. Insofern schloß sie ein gewisses Verständnis für den Faschismus und auch den Nationalsozialismus in sich, und dadurch wurde die wie selbstverständlich vorgenommene Aufteilung der Welt in „das Gute‘“ und „das Böse“ unmöglich gemacht. Endgültig wurde das in dem „Historikerstreit“ der Jahre ab 1986, innerhalb dessen mir nun auch von zahlreichen Kollegen und Publizisten der Vorwurf der „Relativierung“ des Nationalsozialismus gemacht wurde, der in der Sache eine Verneinung des wissenschaftlichen Postulats des In-Beziehung-Setzens, der Relationierung, und faktisch eine „Verharmlosung“ des Bolschewismus bedeutete.

Ich muss gestehen, daß es mir zunächst nicht besonders aufgefallen ist, daß unter den vielen Zuschriften, die ich erhielt, sich schon Anfang 1988 ein Brief von Herrn Erich Kronauer befand, der Zustimmung zu meinen Konzeptionen zum Ausdruck brachte. Bald darauf erfolgte infolge glücklicher Umstände die in der Bundesrepublik fast schon aufgegebene „Wiedervereinigung Deutschlands“, und es sah so aus, als habe die Totalitarismustheorie einen großen Sieg davongetragen. Aber offenbar hatte Herr Kronauer ein ähnliches Empfinden wie ich selbst, nämlich daß die Wiedervereinigung auch den Anhängern der mythologisierenden Vorstellung vom‚ „absoluten Bösen“ des Nationalsozialismus große Vorteile verschafft hatte, weil nun für die wiedervereinigten Deutschen das oberste Gebot lauten konnte, ja vielleicht lauten mußte: nur ja nicht „aufzutrumpfen“, sondern sogar noch mehr als früher den Einklang mit „den Siegern“ herauszustellen, zu denen natürlich trotz des Endes der Sowjetunion im Jahre 1991 auch die Bolschewiki gehörten. Aus dieser Sorge resultierte offensichtlich schon der Brief von Herrn Kronauer an mich vom Ende Juli 1995, in dem er davon sprach, wie wohltuend meine Stimme in dem „gegenwärtigen Deutschland der verzerrten und einseitigen Sicht der Geschehnisse des 20. Jahrhunderts“ sei. Diesmal riss der Faden nicht mehr ab, und in einem Brief vom 21. Juli 1999 findet sich der Satz: „Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem Gedanken, eventuell eine Stiftung für angehende Historiker zu machen“, deren Zweck darin bestehen solle, durch die Förderung junger Historiker „der Vernichtung des deutschen Geschichtsbewußtseins entgegenzuwirken“. Von dem, was daraus folgte, brauche ich nur das Elementarste zu erwähnen, denn es spielte sich vor den Augen der Schweinfurter Öffentlichkeit ab.

Am 14. Oktober 200 erhielt Dr. V o l k e r  K r o n e n b e r g in der Rathausdiele von Schweinfurt der ersten, mit 20000 DM dotierten Preis der Stiftung für sein Buch „Ernst Nolte und das totalitäre Zeitalter. Versuch einer Verständigung“. Ihm waren im Seminar von Professor Funke in Bonn von Mitstudenten große Schwierigkeiten gemacht worden, als er eine Vorarbeit in Form eines Referats vortragen wollte. Der Preis galt ebensosehr seiner tapferen Selbstbehauptung wie den einleuchtenden Gedankengängen des im Verlag Bouvier in Bonn publizierten Buches.

Am 27. Oktober 2001 folgte als Preisträger Herr Privatdozent Dr. B o g d a n  M u s i a l , und der Titel seines Buches hieß: „‘Konterrevolutionäre Elemente sind zu erschießen‘. Die Brutalisierung des deutsch-sowjetischen Krieges im Sommer 1941“; es handelte also von einer Brutalisierung, die n i c h t ausschließlich von der deutschen Seite ausging.

Im Oktober 2003 war der Preisträger Herr Privatdozent Dr. F r i e d r i c h  P o h l m a n n für sein Buch „Ideologie und Terror im Nationalsozialismus“. In seiner Dankrede verlangte Herr Pohlmann die Stärkung des „Bewusstseins eigener Verführbarkeit“, wodurch die Abschiebung der Verantwortung auf einige „Täter“, aber auch die einseitige Belastung „der Deutschen“ vereint wird.

Im Mai 2006 wurde der Preis an Herrn Privatdozent Dr. H a n s – C h r i s t o f  K r a u s verliehen, der als ausgeprägter Gelehrter nur wenig über den Nationalsozialismus geschrieben´, aber als herausragender Kenner des deutschen Konservativismus ihm eine Tiefendimension zuerkannt hatte, die in den verbreiteten Anklagereden gegen „Preußen“ als solches und im ganzen nicht zum Vorschein kommt.

Im November 2008 ging der Preis an einen Iren, der in den USA lehrt, Herrn Privatdozenten D o n a l  O´S u l l i v a n , dessen Buch „Stalin´s Cordon sanitaire“ der sowjetischen Politik nach dem zweiten Weltkrieg gewidmet ist. Professor Arnulf Baring hielt dazu eine bemerkenswerte Laudatio und stellte sich in die Reihe der Laudatores von den Professoren Funke, Jacobsen und Möller sowie Frau Seebacher-Brandt.

Die Laudatio für den bisher letzten Preisträger, Herrn Dr. J ö r g  F r i e d r i c h , hielt Dr. Lorenz Jäger von der FAZ – für einen freien Autor, der mit seinem Buch „Der Brand“ ein bisher von der Wissenschaft kaum je behandeltes Thema gewählt hatte, nämlich die terroristische Luftkriegsführung der „Westalliierten“ gegen die deutsche Zivilbevölkerung.

Ich meine, daß Herr und Frau Kronauer sehr zufrieden sein dürfen, wenn sie auf diese kleine Gruppe von „jungen“, d.h. noch nicht auf einen Lehrstuhl gelangten Autoren blicken, deren Bücher wesentlich dazu beigetragen haben, ein Gegengewicht zu der in Deutschland auf sehr einseitige Weise vorherrschenden, wenngleich gewiß verständlichen Tendenz zu bilden, die Auffassung der Sieger ohne ernsthafte Prüfung zu übernehmen und der „linken“ Konzeption des uneingeschränkten Globalismus unter Verdrängung des ebenso bedeutsamen historischen Rechts von Nationen und Kulturen ein „absolutes“ Recht zuzuschreiben. All das wäre ohne das nimmermüde, über die Preisverleihungen noch hinausgehende Engagement von Herrn und Frau Kronauer nicht möglich gewesen, und ich erhebe - symbolisch – mein Glas auf das Stifterehepaar und alle diejenigen, die an diesem Engagement tätigen Anteil genommen haben, nicht zuletzt auf die frühere Oberbürgermeisterin Frau Grieser und den gegenwärtigen Oberbürgermeister Herrn Remelé sowie die Mitglieder des Kuratoriums der Stiftung.


Ernst Nolte