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ERICH UND ERNA KRONAUER-STIFTUNG

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Begrüßung durch Erich Kronauer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung   Druckansicht

Rede anlässlich der Verleihung des 7. Historiker-Preises der Erich und Erna Kronauer-Stiftung am 16. Juni 2012 im historischen Rathaus der Stadt Schweinfurt

Erich Kronauer, StiftungsvorsitzenderSehr geehrter Herr Oberbürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freunde,

ich darf Sie an diesem schönen frühsommerlichen Tag sehr herzlich in der Diele unseres alten Rathauses aus reichsstädtischer Zeit begrüßen. Ich danke Ihnen für Ihr Kommen, vor allem auch jenen, die teilweise eine weite Anreise zu Ehren unseres diesjährigen Preisträgers auf sich genommen haben. Ich begrüße auch die Vertreter der Presse.

Heute verleiht die Erich und Erna Kronauer-Stiftung, deren 10. Jubiläum wir letztes Jahr ebenfalls in diesen festlichen Räumen feiern konnten, bereits zum siebten Mal ihren Historiker Preis.

Als Preisträger des Jahres 2012 begrüße ich herzlich einen großen Gelehrten unserer Zeit, Herrn Professor Ernst Nolte aus Berlin. Mit der Vergabe dieses Preises will unsere Stiftung das wissenschaftliche Gesamtwerk eines bedeutenden Historikers und Geschichtsdenkers der Zeit nach dem 2. Weltkrieg ehren.

Vorstand und Kuratorium unserer Stiftung sind stolz darauf in Herrn Ernst Nolte einen unabhängigen Geist auszeichnen zu können, der durch seine geschichtsphilosophischen Werke bleibende Erkenntnisse und Einsichten erarbeitet hat und sich dabei von dem einmal Erkannten durch einen aggressiven, politisch korrekten Zeitgeist nicht hat abbringen lassen.

An dieser Stelle war eigentlich die Begrüßung von Herrn Professor Baring vorgesehen, der ja vor 4 Jahren schon einmal eine Laudatio auf einen unserer Preisträger gehalten hat. Ende Mai erhielt ich indessen einen Anruf von ihm, wobei er mir zu seinem großen Bedauern mitteilte, dass er aufgrund einer schweren Erkrankung seiner Augen, die ihm das Lesen unmöglich mache, die vorgesehene Laudatio nicht halten könne. So knapp vor unserer Veranstaltung war da guter Rat teuer.

Umso glücklicher sind wir, dass wir in Herrn Professor Günter Scholdt, einem renommierten Literaturwissenschaftler und Historiker, kurzfristig eine kompetente Persönlichkeit gefunden haben, die, gemessen am Umfang des wissenschaftlichen Oeuvre von Herrn Nolte, die anspruchsvolle Laudatio zu übernehmen bereit war. Herr Scholdt hat sich seit Jahren mit den geschichtsphilosophischen und zeitgeschichtlichen Forschungsarbeiten von Herr Nolte auseinandergesetzt, sodass wir uns auf seine Ausführungen freuen dürfen. In diesem Sinne darf ich Sie, lieber Herr Professor Scholdt, besonders herzlich bei uns in Schweinfurt begrüßen.

Bevor ich nun in meiner Rede fortfahre, möchte ich Ihnen aber noch einen Brief von Herrn Baring vorlesen, den er mir im Zusammenhang mit seiner Erkrankung geschrieben hat:

Sehr verehrter, lieber Herr Kronauer,

wie ich Ihnen Mitte Mai zu meinem größten Bedauern mitteilen musste, wird es mir leider unmöglich sein, am 16. Juni die Ihnen vor vielen Monaten zugesagte Laudatio auf den von mir hochverehrten Ernst Nolte zu halten. Zwar hatte ich mir schon einige Skizzen gemacht, aber doch die eigentliche Ausarbeitung auf Mai und Juni verschoben. Bücher von und über Nolte waren zurechtgelegt, um mein eigenes, positives, weithin zustimmendes Urteil über eine ganz außerordentliche Lebensleistung noch genauer zu grundieren.

Ende April stellte ich fest, dass meine Sehkraft auf beiden Augen stark nachließ. Ich hielt das - von Freunden bestärkt - zunächst für eine Nebenwirkung der zahlreichen Medikamente, die ich seit meiner Herzoperation Mitte Februar sechs Monate lang einnehmen muss. Doch bei einer augenärztlichen Untersuchung durch zwei Kapazitäten musste ich um den 10. Mai herum feststellen, dass die Netzhaut beider Augen stark angegriffen ist, was mit der Herz-OP zu tun hat, aber nicht mit den Arzneien. Dieser Zustand wird sich auch bei günstigem Verlauf in der Zukunft allenfalls marginal verbessern.

Ich bin und bleibe überzeugt, dass Ernst Nolte weit über die Grenzen unseres Landes hinaus zu den führenden philosophischen Historikern des 20. Jahrhunderts zählt, auch wenn ich - wie Nolte weiß - seit langem überzeugt bin, dass erst künftige Generationen den gewaltigen geistigen Horizont dieses großen Gelehrten wahrnehmen und würdigen werden.

Es ist mir wichtig, Sie zu bitten, beiden Noltes meine Verehrung aus Anlass dieser großen Würdigung nahezubringen.

In Verbundenheit, Ihr Arnulf Baring

Von den Preisträgern unserer Stiftung seit der ersten Preisverleihung im Jahre 2000 möchte ich Professor Kronenberg und Gattin- er war ja unser erster Preisträger- sodann Professor Bogdan Musial, Privatdozent Dr. Friedrich Pohlmann und Professor Hans-Christof Kraus herzlich willkommen heißen. Wir freuen uns, dass Sie heute bei uns sind.

Unser diesjähriger Preisträger, Professor Ernst Nolte, hat als Studienrat in Bad Godesberg, im Bemühen um das Begreifen des unbegreiflich erscheinenden sein erstes Buch „Der Faschismus in seiner Epoche, Action Francaise- Italienischer Faschismus- Nationalsozialismus“ geschrieben. Es erschien 1963 in München im Piper-Verlag und wurde bald in alle Hauptsprachen der westlichen Welt übersetzt.

Noltes Grundauffassung war auch damals schon, dass der Nationalsozialismus nicht ohne eine kritische Bezugnahme auf das ältere totalitäre Regime des Bolschewismus und dessen marxistischer Vorgeschichte verstanden werde könne. Diese These Noltes, die anfänglich heftig bekämpft wurde, wird inzwischen aber in der Geschichtswissenschaft immer mehr akzeptiert.

Damals aber wurde er von vielen Publizisten und Kollegen unter Führung von Jürgen Habermas, - der bei seiner bewusst politischen Argumentation auch vor Verfälschungen oder Verkürzungen von Zitaten von Nolte nicht zurückschreckte, - angegangen und ihm, Nolte, wurden sogenannte „apologetische Tendenzen“ unterstellt. Der Bremer Historiker Immanuel Geis, wie auch andere prominente Kollegen, (wie die Professoren Kronenberg und Flaig), verteidigten Herrn Nolte und Herr Geis fasste in seinem Buch „Der Historikerstreit“, die Anwürfe so zusammen: ich zitiere: „Die große Zahl der verfälschten Zitate sei ein Sieg der stalino-maoistischen Streitkultur“ Zitat Ende. Mit anderen Worten, hier behielt Geschichtspolitik über Geschichtswissenschaft die Oberhand, Aus dieser Gemengelage entstand dann der sogenannte „Historikerstreit“ der Jahre 1986/88: „Vergangenheit , die nicht vergehen will.“

In dieser Zeit entstand im Herbst 1987 auch Noltes dazugehöriges oder ergänzendes Buch „Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945, Nationalsozialismus und Bolschewismus.“ Es stellt die Fortführung der Gedanken und Erkenntnisse aus seinem ersten berühmten Buch „Der Faschismus in seiner Epoche“ dar. Diese wichtige Arbeit, eine kluge Analyse der Verhältnisse in Europa und insbesondere der beiden großen totalitären Regime, wurde leider im Lärm der damaligen, vor allem von Seiten der Gegner Noltes geführten politischen Polemiken für die Öffentlichkeit nicht ernsthaft zum Thema. Ähnliches gilt für das Alterswerk seines Geschichtsdenkens mit dem Titel „ Historische Existenz. Zwischen Anfang und Ende der Geschichte,“ das 1998 ebenfalls im Piper-Verlag erschienen ist.

Ernst Nolte hat ein ungewöhnlich reiches wissenschaftliches, vor allem geschichtsphilosophisches Werk geschaffen. Dazu zählen auch seine umfangreichen Arbeiten über den Marxismus, über Nietzsche, Heidegger, seine Bücher „Geschichtsdenken im 20. Jahrhundert, die „Historische Existenz“, die „Späte Reflexionen“ und nicht zuletzt auch das erst Ende vergangenen Jahres im Literaturhaus Berlin vom Landt Verlag vorgestellte Buch „Italienische Schriften“. In der Laudatio von Herrn Prof. Scholdt werden wir sicherlich noch vieles mehr über Noltes überaus fruchtbare, lebenslange Forschungsarbeiten und seine dabei herausgearbeiteten zentralen Erkenntnisse hören, die teilweise heute bereits zum Gemeingut geworden sind.

Wie ich schon im Mai vergangenen Jahres, anlässlich der Feier des 10-jährigen Bestehens unserer Stiftung erwähnte, lernten meine Frau und ich Herrn Nolte und Gattin im Jahre 1999 persönlich kennen, nachdem wir schon seit den achtziger Jahren in brieflichem Kontakt standen. Das Ergebnis unseres Gesprächs war schließlich, dass meine Frau und ich eine Stiftung errichteten mit dem Ziel, diejenigen Historiker der jüngeren Generation, die nicht oder nicht vollständig der immer engeren und einseitigeren „politischen Korrektheit“ folgen wollten, Möglichkeiten der Ermutigung und Unterstützung zu eröffnen. Dadurch bildete sich ein vielfältiger Kreis aus jüngeren- und nach Erweiterung unserer Statuten- auch älteren Historikern, dem auch letztlich Ernst Nolte angehört.

Ich dachte diese Anmerkungen zum besseren Verständnis der Arbeit unserer Stiftung und ihrer langen und vertauensvollen Zusammenarbeit mit Ernst Nolte machen zu sollen.

Meine Damen und Herren, ich darf nunmehr das Wort an Herrn Oberbürgermeister Sebastian Remelé übergeben, nicht ohne vorher unsere beiden Künstler. Herrn und Frau Kügler für die schöne konzertante Umrahmung unserer heutigen Festveranstaltung herzlich zu danken.

Schweinfurt, 16. Juni 2012
Erich Kronauer
Vorstandsvorsitzender