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ERICH UND ERNA KRONAUER-STIFTUNG

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Begrüßung durch Erich Kronauer, Vorstandsvorsitzender der ERICH und ERNA KRONAUER-STIFTUNG   Druckansicht

Rede anlässlich der Verleihung des 8. Historiker-Preises der ERICH und ERNA KRONAUER-STIFTUNG am 4. Oktober 2014 im historischen Rathaus der Stadt Schweinfurt.

Erich Kronauer, StiftungsvorsitzenderSehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Freunde,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich möchte Sie herzlich begrüßen und Ihnen für Ihr Kommen heute ganz besonders herzlich danken.

Im Hinblick auf eine parteiische und völlig unsachliche und einseitige Berichterstattung der lokalen Presse in den letzten Wochen zum Thema der diesjährigen Preisverleihung unserer Stiftung, wobei praktisch keine Gegendarstellungen zugelassen wurden, sowie den durchaus fragwürdigen und teilweise auch falschen Ausführungen von Prof. Benz, Berlin, der die Bücher unseres Preisträgers offensichtlich nur aus Rezensionen kannte und schließlich den respektlosen und beleidigenden Reden eines Herrn Schmidt, Nürnberg, anlässlich der sog. Gegenveranstaltung von Die Linke, SPD, DGB etc. in der Rathausdiele am 29.9., möchte ich eingangs meiner Rede doch noch einige Anmerkungen zu den Zielen unserer Stiftung machen:
In den Statuten unserer Stiftung steht u. a.:
"Die Stiftung will Arbeiten auf dem Gebiet der Neueren Geschichte unterstützen, die nicht dem häufig bequemen Mainstream oder der Political Correctness folgen. Im Vordergrund sollte stets das Bestreben um eine objektive und ideologiefreie Darstellung der Geschichte stehen."

Die von meiner Frau und mir 1999 gegründete Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Arbeiten von Historikern in diesem Sinne zu fördern. Dabei soll vor allem auch denjenigen Wissenschaftlern ein Podium, eine Ermutigung und ein Echo geboten werden, die den Mut haben, die eingefahrenen Wege zu verlassen, neue Fragen aufzuwerfen und neu zugängliche Dokumente mit wissenschaftlichen Methoden zu interpretieren und diese nicht in ein bereits vorgegebenes Schema einzuordnen. Das verstehen wir unter Wissenschaft.

Im Vordergrund steht dabei für uns immer die Seriosität und Ernsthaftigkeit der jeweiligen wissenschaftlichen Arbeit und die Annahme, dass sie auch von öffentlichem Interesse ist. Sie will also der Klärung von Fragen dienen und so letztlich einen Beitrag zur historischen Wahrheit leisten, immer im Sinne des großen Historikers Leopold von Ranke, dessen Forderung lautete: "zeigen, wie es eigentlich gewesen." Die Antwort darauf kann nur eine auch im Grundgesetz garantierte Freiheit der Forschung sein.

In diesem Zusammenhang möchte ich nochmals betonen, dass unsere Stiftung zwar wissenschaftliche Arbeiten fördert und prämiert, dass wir uns jedoch mit den jeweiligen Forschungsarbeiten nicht identifizieren.- Und damit kehre ich zurück zu unserem eigentlichen Thema.-.

Die "ERICH und ERNA KRONAUER-STIFTUNG" vergibt heute zum 8. Mal seit dem Jahr 2000 ihren Historiker-Preis. Preisträger ist ein Geschichtswissenschaftler der jüngeren Generation, nämlich Dr. Stefan Scheil, für seine Studie "Logik der Mächte", mit den Untertiteln: Europas Problem mit der Globalisierung der Politik und Überlegungen zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs."
Das Buch ist 1999 im Wissenschaftsverlag Duncker und Humblot, Berlin, erschienen.

Professor Ernst Nolte sollte heute die Laudatio auf unseren Preisträger halten. Leider ist es ihm aber aufgrund seines gegenwärtigen Gesundheitszustandes - er steht kurz vor seinem 92. Lebensjahr - nicht möglich, seine Laudatio selbst vorzutragen. Wir bedauern dies sehr, umso mehr, als es das letzte Auftreten eines der großen Historiker und Geschichtsdenker der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in der Öffentlichkeit gewesen wäre, und damit auch sein, wie er selbst es ausdrückt, "letztes Wort" zu seinem Werk. Sein bekanntestes Buch, "Der Faschismus in seiner Epoche", war ein Welterfolg. Es wurde in über 40 Sprachen übersetzt und viele seiner danach publizierten ca. 2 Dutzend Bücher, so auch "Marxismus und industrielle Revolution", "Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945" sowie "Historische Existenz" werden uns als außerordentliche geistige Leistungen in Erinnerung bleiben.

Auf Wunsch von Professor Nolte übernimmt den Vortrag seiner Rede der Historiker und Sprecher des Kuratoriums unserer Stiftung, Herr OStD. Wilhelm Böhm, der ehemalige Leiter des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums und langjährige Vorsitzende des Historischen Vereins, Schweinfurt.

Und nun darf ich Sie Herr Dr. Scheil, Ihre Gattin sowie Ihren Sohn recht herzlich in Schweinfurt willkommen heißen.
Ich begrüße sodann sehr herzlich zwei frühere Preisträger unserer Stiftung, Herrn Professor Bogdan Musial, und Herrn Dr. habil. Friedrich Pohlmann.

Mein besonderer Gruß geht vor allem auch an unsere ehemalige Oberbürgermeisterin und Ehrenbürgerin Gudrun Grieser, die die Geschicke unserer Stiftung viele Jahre wohlwollend begleitet hat, sodann an die Gattin des verstorbenen Ehrenbürgers Georg Schäfer, Frau Ruth Schäfer, an unseren Ehrenbürger Otto Schäfer und last but not least an die standhaften Mitglieder unseres Kuratoriums.

Unser diesjähriger Preisträger, der 1963 in Mannheim geborene Stefan Scheil, gehört, wie ich bereits sagte, zur jüngeren Generation deutscher Geschichtswissenschaftler, die sich von einer monokausalen und ideologisch verengten Sicht, wie sie heute immer noch in der Political Correctness, einer Art Inquisition des 21. Jahrhunderts, zum Ausdruck kommt, abwenden und aufgrund sorgfältiger Analysen, die teilweise neu zu bewertenden sowohl alten wie neuen Dokumente in ihren Veröffentlichungen zur Diskussion stellen.

Stefan Scheil ist Mitglied des "Deutschen Komitees für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs", einer Vereinigung, die in den neunziger Jahren vom Militärgeschichtlichen Institut in Potsdam, ins Leben gerufen wurde. Mit seiner Studie "Logik der Mächte", in der er sich mit geschichtsphilosophischen Themen auseinandersetzt, zeigt er auf, dass, ich zitiere "trotz vorliegender, zahlreicher Forschungsarbeiten für den Zeitraum 1919-1939, sich doch neue Einsichten in Ursache und Wirkung, in Täter und Opfer", Zitat Ende, auftun. Hier deuten sich meines Erachtens auch Parallelen zu dem gegenwärtig viel diskutierten Bestseller, "Die Schlafwandler", des australischen, in Cambridge lehrenden Historikers Christopher Clark über den Ersten Weltkrieg an.

"Logik der Mächte" ist ein Buch, das durch seine sachliche und distanzierte Darstellung der dem Zweiten Weltkrieg vorausgehenden Zeitgeschehnisse und durch die Darstellung der geistigen Strömungen, die diese Zeit beherrschten, zu überzeugen weiß. Die daraus sich entwickelnde fürchterliche menschliche Tragödie, die zu fast 17 Millionen Toten auf beiden Seiten führte, hatte schließlich zum Ergebnis, dass Deutschland 1945 total vernichtet und zerstört war und die andern führenden europäischen Staaten ihre frühere Vorrangstellung und Bedeutung verloren.

Die Studie "Logik der Mächte" wurde letztlich für Stefan Scheil zum Ausgangspunkt weiterer Recherchen in den Archiven der am Zweiten Weltkrieg beteiligten Nationen, vor allem in Großbritannien, Frankreich, Polen und der Sowjetunion. Diese fanden ihren Niederschlag in den nachfolgenden Jahren ebenfalls im Verlag Duncker und Humblot erschienen Bücher wie, "fünf plus zwei" - deren fünfte Auflage in Vorbereitung ist - sodann in "Churchill, Hitler und der Antisemitismus, mit dem Untertitel: Die deutsche Diktatur, ihre Gegner und die europäische Krise der Jahre 1938/39", sowie in dem Buch "Die Eskalation des Zweiten Weltkriegs von 1940 bis zum Unternehmen Barbarossa 1941."

Das Jahr 2014 könnte so auf der Basis der neuesten Forschungen möglicherweise der Beginn einer differenzierteren Betrachtung der auslösenden Faktoren und Mächte des Zweiten Weltkriegs sein. Es lohnt sich jedenfalls, die Darstellung Stefan Scheils in den drei von mir zitierten Büchern sine ira et studio zur Kenntnis zu nehmen. Es ist eine sachliche und vor allem multikausale Betrachtungsweise eines engagierten Historikers, frei von ideologischen Absichten, die darüber hinaus auf einem strengen Quellenstudium basieren und die es verdient hat, dass sie ohne politische oder ideologische Voreingenommenheit - wie wir es gerade in den letzten Wochen und vor Ort wieder erlebt haben - durchaus auch wissenschaftlich-kritisch diskutiert werden sollte.

Dafür spricht auch, dass mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts in der historischen Wissenschaft die Forderung nach einer international vergleichenden Betrachtung der Geschehnisse, die schließlich den Zweiten Weltkrieg auslösten, wieder mehr in den Fokus rückten. Dabei stehen nicht mehr nur die machtpolitischen und ideologischen Ziele der deutschen radikalfaschistischen Politik der 30er Jahre im Vordergrund, sondern auch diejenigen der späteren Kriegsgegner.

Ich freue mich, dass sich Vorstand und Kuratorium unserer Stiftung, in Würdigung des Buches "Logik der Mächte" entschlossen hat, Herrn Stefan Scheil, der ein kompetenter und seriöser Geschichtswissenschaftler unseres Landes ist, einstimmig den Historikerpreis 2014 der Kronauer-Stiftung zuzuerkennen. Seine Forschungsergebnisse basieren, wie ich bereits sagte, auf einer breiten Quellen- und Literaturbasis und teilweise auch auf neu zugänglichen Dokumenten.

Nochmals herzlichen Glückwunsch, Herr Dr. Scheil, und weiterhin viel Erfolg bei Ihren zukünftigen Forschungsarbeiten. Anfügen möchte ich noch, dass wir in Übereinstimmung mit einem grundsätzlichen wissenschaftlichen Codex der Meinung sind, dass neue Erkenntnisse, die sich bei der Bewertung von Dokumenten ergeben, eine Korrektur oder nennen wir es ruhig Revision älterer Darstellungen rechtfertigen, ja im Sinne der geschichtlichen Wahrheit sogar notwendig machen.

Ich darf nun das Wort an Herrn Oberbürgermeister Sebastian Remelé übergeben.

Schweinfurt, 4. Oktober 2014
Erich Kronauer
Vorstandsvorsitzender