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ERICH UND ERNA KRONAUER-STIFTUNG

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Begrüßung durch Erich Kronauer, Vorstandsvorsitzender der ERICH und ERNA KRONAUER-STIFTUNG   Druckansicht

Rede anlässlich der Preisverleihung der ERICH und ERNA KRONAUER-STIFTUNG am 22. Oktober 2016 im historischen Rathaus der Stadt Schweinfurt.


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Freunde, meine sehr verehrten Damen und Herren,

wir verleihen heute zum 9. Mal seit dem Jahr 2000 den Historiker-Preis unserer Stiftung. Ich darf Sie hierzu herzlich begrüßen. Ich danke auch den Freunden unserer Stiftung, die den weiten Weg aus Berlin, Hamburg, Düsseldorf, München, Worms, Saarbrücken und Achern, der Heimat meiner Jugend, nicht gescheut haben, um unsere Veranstaltung
und unserem diesjährigen Preisträger, Prof. Sean McMeekin aus den USA, die Ehre zu erweisen.

Sean McMeekin und seine Gattin, möchten wir heute besonders herzlich in unserer ehemals Freien Reichsstadt Schweinfurt willkommen heißen.

Herzlich begrüße ich unsere Ehrenbürgerin, Frau Gudrun Grieser mit Gatten. Als ehemalige langjährige Oberbürgermeisterin unserer Stadt hat sie das Anliegen unserer Stiftung von ihren Anfängen an mit großem Interesse und dem ihr eigenen Engagement unterstützt.

Des weiteren ist es mir eine große Freude und Ehre als Laudator den weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannten Historiker und langjährigen ehemaligen Direktor sowohl des Deutschen Historischen Instituts Paris als auch des Instituts für Zeitgeschichte München/Berlin, Herrn Professor Horst Möller, wieder einmal bei uns in Schweinfurt zu einer Preisverleihung begrüßen zu dürfen.

Herzlich begrüße ich einige unserer früheren Preisträger, die Privatdozenten Bogdan Musial, Friedrich Pohlmann sowie Dr. Stefan Scheil und las but not least meine getreuen Mitstreiter in Vorstand und Kuratorium mit ihren Damen.

Unser diesjähriger Preisträger Sean McMeekin gehört ohne Zweifel zur aufstrebenden jüngeren Generation international anerkannter Geschichtswissenschaftler. Durch seine bisher veröffentlichen Arbeiten zur Geschichte Deutschlands und Russlands in der Zeit des Ersten Weltkriegs hat er international aufhorchen lassen und für seine Bücher bereits zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen erhalten, so auch zuletzt den Arthur-Goodzeit Book-Award für außerordentliche militärhistorische Arbeiten.

Sean McMeekin studierte Geschichte in Stanford, Paris, Berlin und Moskau und ist derzeit Professor für Geschichte am Bard College in New York. Die letzten fünf Jahre lehrte er am Centre for Russian Studies an der Bilkent Universität in Ankara und am College of Social Sciences der Koc Úniversität in Istanbul. Neben seiner Muttersprache spricht er übrigens noch weitere Sprachen wie französisch, deutsch, russisch sowie türkisch.

Auf der Basis intensiver Studien in Russland, indem er auch auf bisher nicht beachtete Dokumente und auf erhebliche Protokoll-Lücken stieß, beschreibt McMeekin ein Szenario, in der die Geschichte des Ersten Weltkriegs durchaus in ein neues Licht gerückt wird. Dies findet seinen Niederschlag in dem von uns ausgezeichneten Buch "Russlands Weg in den Krieg, Ursprung der Jahrhundertkatastrophe". Die Übersetzung ins Deutsche im Jahr 2014 geschah dann quasi zeitgleich mit der hundertsten Wiederkehr des Beginns des Jahrhundertkriegs 1914/18, der in Presse und politik ein breites Echo fand.

Die Debatten um die einseitige Schuldzuweisung an Deutschland, wie sie z.B. durch die Thesen des Hamburger Historikers Fritz Fischer in Deutschland und Europa vorherrschend war, wird damit erneut durch überzeugende Sachargumente infrage gestellt, wie auch durch das wenige Monate vor McMeekins Buchveröffentlichung, von dem australischen, in Oxford lehrenden Historiker Christoher Clark auf den Markt gebrachte Buch, "Schlafwandler".

"Auch hundert Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs sorgt die Frage nach den Schuldigen heute noch immer für Diskussionen. Die Rolle Deutschlands wurde von beiden Autoren indessen auf unterschiedliche Weise gesehen. Während die Betonung Clarks mehr auf dem serbischen Nationalismus und vor allem auf dem Blankoscheck Frankreichs für Russlands Balkanpolitik lag, sieht McMeekin das bestimmende Element in der Chance Russlands, die seit Katharina der Großen verfolgte strategische Absicht nunmehr zu verwirklichen," nämlich die türkischen Meerengen, Dardanellen und Bosporus, sowie das Umland, einschließlich Konstantinopel, zu erobern. Damit würde nach zwei Jahrhunderten schließlich doch noch der freie Durchgang für Russlands Kriegs- und Handelsflotte zum Mittelmeer erreicht werden.

Beide Bücher sind durchaus dazu geeignet, dass ihre gut begründeten und auf der Basis teilweise neuen Quellenmaterials belegten Thesen zu einer erneuten wissenschaftlichen Erörterung und Korrektur beitragen werden.
Zum Thema wissenschaftliche Forschung und wissenschaftliche Wahrheit, einem besonderen Anliegen unserer Stiftung, möchte ich noch folgende Anmerkungen machen:
Ethos aller wissenschaftlichen Tätigkeit ist es, dass neue, verifizierbare Erkenntnisse zu einer Korrektur des Bisherigen führen sollten. Vor wenigen Jahren hat nun auch das Bundesverfassungsgerichts mit einer Grundsatzentscheidung dazu höchstrichterlich Stellung bezogen. Dies besagt, dass auch "Auffassungen, die sich in der wissenschaftlichen Diskussion durchgesetzt haben, der Revision und dem Wandel unterworfen bleiben. Denn die frei Diskussion, so das BVG, sei das eigentliche Fundament der freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft."

In diesem Zusammenhang und in Ergänzung dieser Grundsatzentscheidung des höchsten deutschen Gerichts möchte ich auch nochmals auf das Manifest "Freiheit für die Geschichte" von 600 führenden französischen Geschichtswissenschaftlern zurückkommen, das im Jahre 2005 in der Zeitschrift "Libération" veröffentlicht und von mir bei der damaligen Preisverleihung zitiert wurde:
Es lautete:
"Die Geschichte ist keine Religion. Der Historiker akzeptiert kein Dogma. kennt keine Tabus. Die Geschichte ist nicht die Moral. In einem freien Staat ist es weder die Sache des Parlaments noch der Justiz, geschichtliche Wahrheit zu definieren. Es ist auch nicht die Rolle des Historikers zu preisen oder zu verdammen, er erklärt die Geschichte" oder um es mit den Worten Ernst Noltes, unseres Preisträgers des Jahres 2012, auszudrücken, er macht sie "verstehbar".

Damit kehre ich zurück zu unserem heutigen Preisträger.

Der Erich und Erna Kronauer-Stiftung ist es eine große Freude und Ehre, in Professor Sean McMeekin heute einen jungen amerikanischen Historiker auszeichnen zu dürfen, der mit seinem Buch "Russlands Weg in den Krieg" eine so hervorragende, wissenschaftlich fundierte und überzeugende Darstellung zu geben vermochte. Diese wird sicherlich mit dazu beitragen, die damaligen politischen und kriegerischen Ereignisse und das daraus entstandene Narrativ hinfort differenzierter als bisher und teilweise auch neu zu sehen.
Sie wird hoffentlich auch dazu beitragen, das Verständnis für die Ursachen der europäischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts zu vertiefen.

Zum Schluß möchte ich noch einige Worte zu dem am 18. August dieses Jahres verstorbenen Professor Ernst Nolte, dem Mitbegründer unserer Stiftung und langjährigem, engagierten Mitglied unseres Kuratoriums, anfügen. Ernst Nolte, war zweifellos einer der herausragenden Historiker und bedeutenden Geschichtsdenker unserer Zeit, eine singuläre Gestalt im Europa der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Durch seine wissenschaftliche Tätigkeit hat er sich ein bleibendes Denkmal in der europäischen Geisteswissenschaft gesetzt. Viele seiner Erkenntnisse und Thesen, seine Weisheit und die Tiefe seines Denkens werden wohl erst in den kommenden Jahren weitere Akzeptanz finden. Darüber hinaus war er ein warmherziger und weltoffener Mensch, mit dem zusammenarbeiten stets eine große Freude und ein Gewinn war. Wir werden seiner immer in Bewunderung und großer Zuneigung gedenken.

Damit komme ich zum Ende meiner Ausführungen und darf das Wort an Herrn Oberbürgermeister Sebastian Remelé übergeben, indessen nicht ohne ein kleines Apercu anzufügen: Bei dem traditionell üblichen Besuch beim OB vor der Preisverleihung und der Bitte ein Grußwort an Preisträger und Gäste zu sprechen, wobei Herr Remelé das Buch von Sean McMeekin vorgelegt wurde, überraschte er uns doch mit der Bemerkung, dass er unseren Wunsch umso lieber nachkomme, als er das Buch bereits mit Interesse gelesen habe. Respekt Herr OB.
Sie haben nun das Wort.

Schweinfurt, 22.Oktober 2016
Erich Kronauer
Vorstandsvorsitzender